2. Bundesliga - News

Der größte Gegner spielt im eigenen Team

von Günther Jakobsen15:14 Uhr | 18.05.2019

Der Hamburger SV hat es mal wieder geschafft. Immer wenn man denkt, dass es schlimmer nicht mehr geht, setzen die Rothosen noch einen drauf.

Seit Jahren werden in Hamburg Jahr für Jahr neue Negativpunkte erreicht. Wer dachte, dass der Abstieg in die 2. Bundesliga die endgültige Talsohle sei, der wurde spätestens am letzten Wochenende eines Besseren belehrt. Die sang- und klanglose 4:1-Niederlage beim SC Paderborn besiegelte den vorzeitigen Verbleib in der 2. Bundesliga für mindestens ein weiteres Jahr. Was das für die vielen Fans und Sympathisanten des Hamburger SV bedeutet, brauche ich nicht extra zu erwähnen.

Aus meiner Sicht gibt es aber noch ein viel größeres Ärgernis: Nämlich die Art und Weise, wie die Verantwortlichen mit dem Verein und seinen Angestellten umgehen.

In den letzten fünf Jahren gab es sieben unterschiedliche Cheftrainer, dazu mehrere Verantwortliche für den sportlichen Bereich. Wenn das Personal so häufig ausgetauscht wird, stellt sich irgendwann für mich die Frage: Haben wirklich immer die in dem Moment handelnden Personen die Schuld oder sind es vielmehr die Personen, die dafür sorgen, dass ständig überall die Mitarbeiter ausgetauscht werden? Entscheidet man sich für Letzteres, sollte man einmal genau nachschauen, wer überhaupt hinter diesen Entscheidungen steckt.

Dabei fällt ein Name besonders auf: Klaus-Michael Kühne. Mit knapp über 20% ist er der größte private Anteilseigner. Durch viele Anteilskäufe und ein Leihgeschäft hat Kühne in den letzten Jahren viel Geld in den HSV gepumpt und sich damit reichlich Macht und Einfluss gesichert. Damit ist der Hamburger Milliardär auch ohne offiziellen Posten einer der mächtigsten Personen rund um den Hamburger Traditionsverein.

In den letzten Jahren ist es zur Gewohnheit geworden, dass sich besagter Herr Kühne regelmäßig in der Öffentlichkeit zu dem Geschehen beim HSV äußert. Das sollte auch in der Regel kein Problem darstellen, wenn es mal ein Interview geben würde, in der er die handelnden Personen “seines” Vereins nicht bloßstellen würde. Er ist damit für mich seit Jahren der größte Unruhe-Faktor. Jedes Mal, wenn es dann auf einer Pressekonferenz wieder heißt “Wir müssen Ruhe in den Verein kriegen”, frage ich mich, ob sich Klaus-Michael Kühne jemals davon angesprochen gefühlt hat.

Für mich ist sein Verhalten für die Entwicklung des Vereins absolut fatal!

Bereits im März wurde er im Radiosender „NDR 90,3” zugeschaltet und sprach von einem Wunder, wenn der HSV noch einen der ersten beiden Plätze erreichen würde. Das kuriose daran: Zu diesem Zeitpunkt standen die Rothosen noch auf Platz Zwei und hatten ganze neun Punkte Vorsprung vor dem jetzigen Tabellenzweiten SC Paderborn. Ich frage mich: Wie kann ich als Mäzen des Vereins so eine Aussage öffentlich tätigen? Für mich war dies aus heutiger Sicht eine selbsterfüllende Prophezeiung!

Das Sahnehäubchen kam dann nun kurz nach der entscheidenden Niederlage in Paderborn, indem er ungefragt verlauten ließ, dass er bereits seit Monaten alles geahnt hat und die HSV-Verantwortlichen darüber informiert hatte. Selbst wenn dies der Wahrheit entspricht, kann es nicht sein, dass solche Aussagen öffentlich getätigt werden. Das einzige, was er damit erreicht hat ist, dass nun die angesprochenen Verantwortlichen absolut verbrannt sind. Die Schuldfrage hat Klaus-Michael Kühne damit eindeutig geklärt. Die handelnden Personen sind damit extrem angezählt und stehen damit wieder unter extremen Druck.

Sollte es Herrn Kühne in der Zukunft nicht gelingen, sich in der Öffentlichkeit deutlich zurückzuhalten, werden aus den Unabsteigbaren endgültig die Unaufsteigbaren!

Bis zur nächsten Grätsche
Euer Grischa


Autor und Fußball-Experte Grischa Hindel ist bei TorAlarm für redaktionelle Inhalte zuständig. In seiner Kolumne Grischas Grätsche schreibt er jede Woche ganz persönlich über das aktuelle Fußballgeschehen und alles, was ihn bewegt - begeistert, amüsiert, nervt. Seit seiner Kindheit dem runden Leder verschrieben, war er auf dem Fußballplatz selbst aktiv und später regelmäßig als Fan im Stadion. Heute ist er voller Fußball-Know-how, das wir Euch nicht vorenthalten wollen.

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Hamburger SV
2. Bundesliga
Rang: 1Pkt: 42Tore: 51:29



Die Niederländer haben im Halbfinale aber besser gepokert als wir.

— Pierre Littbarski zum EM-Halbfinale 1988 gegen Holland.