Königsklasse im Jogger-Modus: Wankender BVB erneut mit Glück

von Marcel Breuer | dpa12:10 Uhr | 03.11.2022
Kopenhagens Valdemar Lund Jensen (l) und Dortmunds Anthony Modeste kämpfen um den Ball.
Foto: Sergei Grits/AP/dpa

Die Stimmung war ähnlich schlecht wie bei Verlierern. Wortkarg und missmutig kommentierten die Dortmunder Profis das magere 1:1 (1:1) im letzten Champions-League-Gruppenspiel beim FC Kopenhagen.

Dass der BVB wie schon beim schmeichelhaften Sieg in Frankfurt am Wochenende erneut nur mit Glück einer Niederlage entging, war nicht gerade die beste Einstimmung auf den Jahres-Endspurt in der Bundesliga. Da ließ es Emre Can auch nicht als Ausrede gelten, dass sein Team bereits vor dem Anpfiff für die K.o.-Runde qualifiziert war und zahlreiche Stars schonte. «Wir sind rumgejoggt, wir sind rumgegangen», schimpfte der Nationalspieler und legte erzürnt nach: «Wir spielen hier Champions League. Es geht um viel Geld. Es geht darum, dass sich jeder zeigen, dass sich jeder beweisen will. Das haben wir zu 100 Prozent nicht erfüllt.»

Nachsicht vom Trainer

Die üppige Siegprämie in Höhe von 2,8 Millionen Euro war der Borussia nicht Anreiz genug. Gleich reihenweise ließ der bisher sieg- und torlose Tabellenletzte aus der dänischen Hauptstadt vor allem in der ersten Halbzeit selbst beste Torchancen ungenutzt. Deshalb war der BVB nach der zwischenzeitlichen Führung durch Thorgan Hazard (23.) mit dem Ausgleichstreffer von Hakon Haraldsson (41.) noch gut bedient. Anders als Mittelfeldspieler Can schlug Trainer Edin Terzic diplomatischere Töne an und warb um Nachsicht für seine nach langer Terminhatz abgekämpften Profis: «Es war die fünfte englische Woche. Da muss man dem einen oder anderen auch mal verzeihen.»

Gleichwohl klang auch beim Fußball-Lehrer Enttäuschung durch: «Wir wollten zeigen, dass wir in diesem Spiel - auch wenn es nicht um Leben oder Tod ging - alles raushauen. Aber wir hatten sehr viele Ballverluste und mussten uns viele Konter einfangen. Das war nicht die allersauberste Vorstellung.»

Modeste: «Am Ende müssen wir zusammenarbeiten»

Es passte ins Bild fehlender spielerischer Harmonie, dass sich die Offensivkräfte mitunter selbst im Weg standen. Als Karim Adeyemi in der 53. Minute nach schönem Solo den frei stehenden Anthony Modeste bedienen wollte, brachte der zu hektischem Übereifer neigende und schlechter postierte Donyell Malen den Franzosen mit einem schwachen Abschluss um das mögliche 2:1. Modeste fiel es schwer, sich Schelte zu verkneifen: «Das war nicht das erste Mal. Aber ich will keine Kritik äußern. Am Ende müssen wir zusammenarbeiten.»

Ohne eine deutliche Steigerung droht bis zum Beginn der WM-Pause weiteres Ungemach. Dabei will der Bundesligavierte in den restlichen drei Spielen daheim gegen den VfL Bochum und auswärts gegen den VfL Wolfsburg und Borussia Mönchengladbach noch Boden im Meisterkampf gutmachen. «Wir hoffen, dass die letzten drei Spiele so erfolgreich sind, dass wir alle mit breitem Grinsen in die Winterpause gehen», kommentierte Nico Schlotterbeck im Glauben an bessere Auftritte als in Kopenhagen.

Zur Verbesserung der angespannten Stimmung erinnerte Trainer Terzic an das peinliche Vorrunden-Aus in der vergangenen Saison, als der BVB in einer vermeintlich leichten Gruppe nur Dritter wurde und wenig später in der Europa League an den Glasgow Rangers scheiterte: «Es war eine sehr zufriedenstellende Gruppenphase. Wir waren bereits einen Spieltag vor dem Ende für die K.o-Runde qualifiziert. Das war in der Vergangenheit nicht immer so.» Ähnlich sah es Schlotterbeck. Vor der Auslosung am Montag mit den möglichen Gegnern SSC Neapel, FC Porto, Benfica Lissabon, Tottenham Hotspur, FC Chelsea und Real Madrid ist dem Nationalverteidiger nicht bange: «Egal, wer da kommt, die müssen uns erst mal schlagen.»(dpa)



Ich weiß nur noch, dass ich irgendwie den Panama-Kanal überquert habe, um nach Hause zu kommen.

— Günter Netzer nach dem vorzeitigen Abbruch einer Südamerika-Reise mit Borussia Mönchengladbach.