BVB «drosselt» vor Duell gegen 1899 Hoffenheim

von Marcel Breuer | dpa16:30 Uhr | 05.05.2017
BVB-Coach Thomas Tuchel (r) und Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann haben großen Respekt voreinander. Foto: Bernd Thissen
Foto: Bernd Thissen

Entschleunigung und Körperpflege in der entscheidenden Saisonphase: DFB-Pokalfinalist Borussia Dortmund will im Schlüsselspiel um die direkte Qualifikation für die Champions League die letzten Kräfte bündeln und hat die Trainingsbelastung heruntergefahren.

«Wir haben uns erlaubt, ein wenig die Intensität zu drosseln. In der Ruhe liegt die Kraft», sagte BVB-Trainer Thomas Tuchel vor dem Punktspiel gegen das Überraschungsteam 1899 Hoffenheim am Samstag. «Es liegt etwas Entscheidendes über dem Spiel.»

Die Mannschaft des 29 Jahre alten Trainers Julian Nagelsmann steht vor den letzten drei Saisonspielen auf Rang drei, einen Zähler vor Dortmund. Der BVB bestreitet gegen die Kraichgauer mittlerweile das 48. Saisonspiel. weshalb die Abwehrspieler Marcel Schmelzer und Sokratis am Donnerstag nicht am Training teilnahmen. «Es tut auch mal gut durchzuschnaufen, damit man nach hintenraus noch etwas zulegen kann», erläuterte Tuchel, der 14 Jahre älter ist als sein einstiger Wegbegleiter Nagelsmann.

Schließlich wartet am 27. Mai im DFB-Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt noch der Saisonhöhepunkt, für den am Freitag die Cup-Übergabe in Berlin zelebriert wurde. Trotz der Zeremonie und der Transfergerüchte um Stürmerstar Pierre-Emerick Aubameyang, der mit Paris Saint-Germain in Verbindung gebracht wird, blieb der Fokus voll auf Hoffenheim liegen. «Ich bin komplett überfragt», sagte Tuchel zum Thema Aubameyang. «Es ist nicht die Zeit, um Wechselgerüchte zu kommentieren.»

Trainingssteuerung wird bei Tuchel angesichts des Programms und der Verletztenmisere in der laufenden Saison groß geschrieben. Insbesondere Schlüsselspieler Marco Reus fiel immer wieder wegen Verletzungen aus, steht aber für Hoffenheim zur Verfügung. Ungeachtet des Verweises auf die Tatsache, dass der Hopp-Club nur «einmal die Woche» spielen musste, äußerte Tuchel großen Respekt vor 1899, den Fähigkeiten des Teams und des Coaches. «Ein sehr guter Trainer mit einem sehr guten Kader. Das ergibt in der Kombination das, was wir sehen. Sie haben das sehr gut gemacht», sagte Tuchel, der einst in der Jugend des FC Augsburg mit Nagelsmann zusammenarbeitete.

Der BVB-Coach lobt vor allem die Kraichgauer Offensive mit Spielern wie Sebastian Rudy, Kerem Demirbay, Andrej Kramaric oder Sandro Wagner. Dennoch: «Wir fühlen uns bereit, sie zu schlagen.» Clubchef Hans-Joachim Watzke erinnerte bei der Pokal-Übergabe in Berlin an die Heimstärke der Westfalen, die seit 36 Bundesliga-Spielen daheim ungeschlagen sind. Er schränkte aber ein: «Ich glaube, dass beide Mannschaften den dritten Platz sicherlich verdient hätten. Kompliment an Hoffenheim, sie spielen eine tolle Saison.»

Nagelsmann und sein Team reisen mit großem Selbstvertrauen an. Dem Favoriten mit seinen überragenden Offensivakteuren Reus, Aubameyang oder Ousmane Dembélé will man laut Nagelsmann die «große Lust am Fußball» nehmen. «Ganz wichtig ist, dass du eng dran bist, ihnen immer mal ein bisschen weh tust in den Zweikampf-Situationen.»

1899-Torjäger Sandro Wagner betonte in der «Fußball Bild», dass sich sein Team von der Atmosphäre im mit mehr als 80 000 Fans gefüllten Signal Iduna Park nicht einschüchtern lassen werde: «Von uns scheißt sich jetzt keiner in die Hosen... Wir haben keinen sportlichen Druck.»

(dpa)



Ein Fußballspiel ist wie eine Rechenaufgabe: Zwei plus zwei ist gleich vier - und nicht fünf.

— Otto Rehhagel